Tor zum Osten, Spiegel der Freiheit, PrĂĽfstein des Reiches
Wie verstreute Splitter einer zerborstenen Krone ragen die Inseln des Hochsee-Archipels aus dem östlichen Meer – eine faszinierende Provinz voller Gegensätze. Offiziell unter dem Banner des Kaisers, doch im Herzen eigenwillig, seefahrend, freiheitsliebend.
Das Archipel liegt wie eine natürliche Schranke zwischen dem Festland Terraniens und dem weiten, noch unerschlossenen Meer – dem blauen Schleier, hinter dem der fremde Kontinent Faerûn ruht, mit seinen Königen, seinen Städten und seinen ungewissen Absichten.
Wer hier Stützpunkte unterhält, kontrolliert mehr als Küsten – er kontrolliert den Zugang zum Reich selbst. Fremde Flotten, Piraten, Händler ohne Zollerlaubnis: Alle müssen durch diese Gewässer, ob sie wollen oder nicht. Ohne das Archipel wäre die Ostküste Terraniens schutzlos – mit ihm ist sie eine Festung auf Inseln.
Doch das Archipel ist mehr als Bollwerk. Es ist ein Spiegel maritimer Vitalität, ein Mosaik von Nutzen:
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Salz aus den flachen Becken der „Kargen Küste“ bei Gronul – begehrt für Konservierung und Heeresversorgung.
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Ein kastanienrotes Harz, Blutglanz genannt und gewonnen in den Wäldern der Nordostinsel, wo der Bluthauer-Clan siedelt – eine Substanz mit sonderbaren Eigenschaften, die bereits die Dampfbruderschaft auf den Plan rief.
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Hochwertige Baumwolle und Flachs aus den Feldern bei Eloven – besonders wirksam in Verbindung mit dem Harz, ideal für medizinische Verbände.
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Einst war es das Sumpfgras von Aroven, das Heiler begehrten – heute ist es von Elovens Erträgen verdrängt.
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In den „Zinnen“, einem zackigen Gebirge zwischen Eloven und Aroven, finden sich Silberadern von wachsendem Interesse.
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Und nicht zuletzt: Seltene Muscheln, Perlen, Meeresfrüchte – alles, was der tiefe Grund hervorbringt, findet hier seinen Markt.
Die Inseln sind zugleich Außenposten und Frühwarnsystem, Rückzugsort und Signalfeuer. Sollte sich die See je gegen das Festland kehren – von Natur oder Mensch bewegt –, wäre es das Archipel, das zuerst flüstert, schreit oder brennt.
Doch jenseits aller Ressourcen ist das Archipel ein Zeichen.
Ein Symbol, dass das Kaiserreich nicht nur Ordnung schaffen, sondern auch Unordnung dulden kann – solange sie unter seiner Fahne segelt. Denn hier leben Orkklans, verkehren Piratenverbände, und in Tarakus, dieser schmierigen Perle der Gesetzlosigkeit, wird geplündert, gefeilscht und gefeiert – und das Reich sieht zu. Oder besser: Es sieht darin Nutzen.
Auch aufgrund seiner Entfernung vom Herzen des Reiches gewährt man dem Archipel eine bemessene Autonomie – eine stille Übereinkunft, die alten Bräuchen und lokalen Eigenheiten ihren Raum lässt, solange die Loyalität zur Krone gewahrt bleibt.
Denn auf der Südwestinsel, unweit von Tarakus, haben sich Piraten unter kaiserlicher Duldung zu Freibeutern erklärt – ein Zweckbündnis aus Gold, Gewalt und geübter Gleichgültigkeit.
So hält das Reich, was es nicht ganz zähmen kann – und nennt es Toleranz.
„Das Reich duldet Vielfalt – aber keine Spaltung.“
Wenn das Archipel fiele, würden andere folgen – in den Marschen, in den Bergen, an den Rändern der Karte. Doch solange Ravaryn leuchtet wie ein imperialer Außenposten – und Tarakus stinkt wie eine nützliche Beleidigung –, bleibt das Reich, was es sein will:
Ein Gebilde, das selbst den Widerspruch in seine Ordnung einwebt.