🌦 Wetter, Natur & Umweltwahrnehmung

„Der Himmel schweigt nicht – er erzählt. Und wer zuhört, versteht das Land.“

In Terranien ist die Natur kein stummer Hintergrund, sondern eine atmende, flüsternde Macht – gefürchtet, geehrt, verklärt. Wetter und Landschaft formen nicht nur das Leben der Menschen, sondern auch ihre Seele. Der Wind trägt Geschichten, der Nebel birgt Mahnungen, und der Regen kann Fluch oder Segen sein – je nachdem, wen man fragt.

🌾 Der Blick der Menschen – zwischen Stadt und Steppe

Während die Stadtbevölkerung in Landarion dem Wetter meist mit Gleichgültigkeit oder gar Verachtung begegnet – geschützt von Stein, Dampf und Dach – ist es auf dem Land der Taktgeber allen Lebens. Für Bauern, Fischer, Jäger und Herumziehende bestimmt das Wetter das Maß der Hoffnung und des Risikos. Ein einziger unerwarteter Frost kann eine ganze Ernte vernichten. Ein stummer Nebeltag in den Marschen kann bedeuten, dass jemand nicht mehr heimkehrt.

Die Landbevölkerung spricht vom „Atem der Welt“, wenn es um Natur geht. Man horcht auf Vorzeichen, beobachtet Tiere, legt Opfergaben aus, wenn sich Gewitter über den Bergen sammeln. In den Städten hingegen werden Wetterphänomene zunehmend als „Störung“ betrachtet – etwas, das man mit Dach, Dampf oder Disziplin bezwingen möchte.

🌿 Flora & Fauna – eine Welt im Wandel

Die Wälder Terraniens rauschen noch immer. Die Flüsse fließen, die Bienen sammeln, die Wölfe jagen. Und doch... irgendetwas hat sich verändert.

Früher war die Natur verlässlich. Tiere waren Tiere. Pflanzen waren Pflanzen. Alles folgte einem alten, stillen Takt – geordnet, erklärbar, zähmbar. Doch seit den Tagen der Plage hat sich dieser Takt an manchen Stellen verzogen – wie eine Saite, die zu lange gespannt wurde.

Die Grenzwacht berichtet von schwärzlichen, beinlosen Hirschwesen, deren Schrei wie ein menschliches Wimmern klingt. Fischer erzählen von Schatten unter klarer Oberfläche, groß wie Boote, mit Augen wie bernsteinfarbenes Glas.

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Es heißt, man habe im Süden ein geflügeltes Wesen am Himmel gesehen, das Feuer atmete – ein Drache, sagen die einen. Ein Omen, sagen die anderen. In entlegenen Wäldern wird von weißen Hirschen mit spiralförmigem Horn berichtet, deren Blick ein Gefühl von „gesehener Schuld“ hervorrufe.

Nicht alle dieser Geschichten sind bestätigt – doch sie häufen sich.

Die vertraute Natur lebt weiter: die knorrigen Harzbäume von Woronia, die leuchtenden Moorblumen um Aroven, die weiten Grasebenen der Herzlande. Doch zwischen all dem Wuchs regt sich nun auch das Unbekannte – leise, doch immer öfter.

🌫️ Die Düstermarschen – das uralte Flüstern

Die Düstermarschen waren nie freundlich – aber sie waren einst nur gefährlich. Heute wirken sie... falsch.

Schon lange bevor man von der Plage sprach, war dieses Gebiet im Westen ein Niemandsland aus Morast, Nebel und alten Geschichten. Doch heute scheint das Land selbst zurĂĽckzublicken.

Der Boden ist weich, nass und tückisch, durchzogen von schmalen Wasseradern und fauligen Tümpeln, in denen nichts spiegelt. Jeder Schritt schmatzt, jede Bewegung hinterlässt einen Eindruck, der nie ganz verschwindet. Moose wachsen über umgestürzte Stämme, als wollten sie alles verschlingen, was liegen bleibt. Die Vegetation ist ausladend, zäh, schmutzig grün – und manchmal seltsam still.

Eine immerwährende Wolkendecke liegt über dem Land, schwer wie Blei, und lässt kein klares Sonnenlicht hindurch. Selbst am Mittag wirkt das Licht wie kurz vor der Dämmerung – grau, flach, bedrückend.

Die Luft ist schwer, feucht, fast träge – doch zugleich kratzig im Hals, als würde man durch eine Mischung aus Nebel, Rauch und Schleier atmen. Atmen ist mühsam. Man gewöhnt sich nicht daran.

Manche sagen, der Nebel höre zu. Dass er sich bewege, nicht mit dem Wind, sondern mit Absicht. Alte Karten stimmen hier nie. Lichtungen verschwinden. Pfade kehren nicht dorthin zurück, wo sie begannen.

Und es gibt Orte, die auch der Nebel meidet.

🏝️ Das Hochsee-Archipel – Mikrokosmos der Elemente

Im Kontrast zu den finsteren Marschen steht das Hochsee-Archipel – ein Flickenteppich aus Inseln, Klimazonen und Stimmungen.

Diese Inselwelt ist ein kleiner Kosmos für sich – ein Spiegel der Vielfalt Terraniens, aber auch ein Sammelbecken für die Rätsel, die das Reich nicht immer kontrollieren kann.

🏗️ Landarion und der Hunger der Moderne

Rund um die Kaiserstadt Landarion ändert sich das Land spürbar – nicht durch Magie oder Plage, sondern durch den Menschen selbst.

Die Stadt wächst wie ein Feuer, das nie löscht. Wälder weichen Mauerwerk, Hügel werden eingeebnet, Sümpfe trocken gelegt, Flüsse begradigt. Die Dampfbruderschaft, getrieben vom Drang nach Fortschritt und dem Bedarf an neuen Ressourcen für ihre Äthertechnik, drängt immer weiter hinaus.

Manche sagen, sie sehen in der Natur nur „Rohstoff mit Grün“.

Wo einst Nachtigallen sangen, heulen heute Kupferrohre. Der Boden dampft nicht mehr vor Tau, sondern vor Abwärme. Manche Tiere meiden die Umgebung, andere mutieren – oder verschwinden. Die Natur weicht nicht kampflos, aber sie weicht. Noch.

⚡ Naturkatastrophen & flüsternde Warnungen

Terranien kennt Stürme, Überschwemmungen, Erdbeben – doch seit der Plage liest man in ihnen mehr als nur Wetter.

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Der einfache Mensch sieht in solchen Phänomenen göttliche Warnung, dämonische Rückkehr oder Risse im Gewebe der Welt.
Die Fraktionen deuten sie unterschiedlich:

In Terranien ist Natur nicht bloß Umwelt – sie ist Mitspieler, Spiegel und Richterin zugleich. Wer ihr nicht zuhört, läuft Gefahr, überhört zu werden, wenn sie warnt. Denn der Nebel kommt nicht ohne Grund. Und manchmal ist der Wind, der sich dreht, nur das erste Zeichen für das, was folgt.