đź’¬ Sprache und Redensarten
„Ein Reich erkennt man nicht an seinen Mauern – sondern an dem, was in seinen Tavernen geflüstert wird.“
In einem Land, das sich über Berge, Inseln und Marschen erstreckt, hat sich nicht nur das Recht, sondern auch die Sprache verzweigt. Zwar spricht man im ganzen Reich eine gemeinsame Hochsprache – das Reichsidiom –, doch dahinter liegt ein Gewirr aus Akzenten, alten Zungen und Sprichwörtern, das mehr über eine Region verrät als jedes Wappen.
🏙️ Das Reichsidiom – Hochsprache und Verwaltung
Die Verwaltungssprache des Reiches ist nüchtern, präzise und reich an Titeln, Floskeln und Formulierungen.
Beamte schreiben im Passiv, Priester in Gleichnissen, und Kompanieschreiber in Klauseln, die mehr fesseln als erklären.
In Briefen des Reichskonzils heißt es selten „Verboten“, sondern: „Zurückgestellt bis zur Klärung imperialer Tragweite.“
Die Hochsprache orientiert sich an der alten Gemeinsprache der bekannten Kontinente, um Handel, Diplomatie und Forschung zu erleichtern.
Hier war es vor allem die MĂĽnzkompanie, die mit ihren Expeditionen, Handelsmissionen und Ăśbersetzungsarchiven den Wortschatz normierte, wie man einst MaĂźe und MĂĽnzen vereinheitlichte.
In den Schulen wird das Reichsidiom gelehrt – oder besser: vermittelt.
Denn wer es beherrscht, kann Einfluss nehmen.
Wer es nicht spricht, erkennt oft nicht einmal, wenn ihm Unrecht geschieht.
đź§ Regionale Zungen & verlorene Stimmen
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In den Herzlanden klingt die Sprache klar, langsam, gesetzt.
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In den Randprovinzen wie den Sümpfen oder dem Archipel ist sie gespickt mit lokalen Begriffen, rhythmisch und oft schwer verständlich für Städter.
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Auf den Inseln schleicht das Altseefahrerische durch die Sätze: „’s Weh’nicht ist nah“ heißt dort: Der Sturm zieht auf.
Darüber hinaus tragen die Völker Terraniens noch Spuren ihrer alten Sprachen – Elfisch, Orkisch, Zwergrunen, Gnomensingsprache oder Zentaurenpiktogramme.
In Gebeten, Ritualen, Wiegenliedern oder Flüchen leben sie weiter – oft unbewusst, manchmal trotzig.
Doch wie ĂĽberall verblassen diese Stimmen.
Junge Generationen lernen Handelsrede und Hochsprache.
Manche Dialekte gelten bereits als ausgestorben – oder nur noch in Schriften der Tetrachie bewahrt.
„Sprich wie dein Vater – und man hört dich. Sprich wie der Kaiser – und man gehorcht dir.“
🪶 Sprichwörter & Redensarten – eine Welt in Worten
Sprichwörter sind das Rückgrat der alltäglichen Kommunikation. Sie sind Humor, Warnung, Verschleierung – und oft regional oder fraktionell geprägt.
Diese Sammlung ist offen – denn wie die Sprache selbst verändert sich auch ihr Klang, ihre Bilder, ihre Wirkung mit der Zeit.
Wer lange genug durch Terranien reist, lernt eines: Nicht alles, was gesagt wird, ist gemeint. Und nicht alles, was gemeint ist, wird gesagt.
🛡️ Grenzwacht
„Wenn das Schweigen antwortet, bist du zu nah.“
„Zwischen dir und dem Ding – nur dein letzter Atem.“
„Wer in den Nebel spricht, muss mit der Antwort leben.“
Die Sprache der Grenzwacht ist kurz, knapp, rau. Sätze enden oft, bevor sie ausgesprochen sind. Viele verwenden Wortbilder aus Natur, Dämmerung und Jagd.
In Tavernen flüstert man, dass erfahrene Grenzwächter sich in dunkleren Zungen verständigen – Infernalisch, Schattenrede, vielleicht sogar abgeleitete Sprachen der Plage –, um Kreaturen der Marsch besser zu verstehen oder zu manipulieren.
Ob dies Wahrheit oder Legende ist, weiß niemand. Doch wer mit einem Grenzwächter redet und sich beobachtet fühlt, versteht, warum man darüber lieber nicht laut fragt.
⚖️ Tetrachie
„Das Rad dreht sich – du nur mit.“
„Ein Sommersegen vergibt, ein Winterurteil nicht.“
„Wer die Stunde segnet, gehört ihr.“
Die Sprache der Tetrachie ist bildhaft, feierlich und rituell. Viele Begriffe stammen aus dem Zyklus der Jahreszeiten oder tragen doppelte Bedeutung.
Jede Aussage kann auch eine Lehre sein – oder ein Urteil.
🛠️ Dampfbruderschaft
„Wenn’s raucht, hast du gezählt.“
„Zahn auf Zahn – kein Platz für Glauben.“
„Fehler ist ein Zustand, kein Schicksal.“
Ihre Sprache ist technisch, trocken, präzise – mit vielen Lehnwörtern aus alten Handwerksdialekten.
Metaphern werden vermieden. Ironie gilt als unnĂĽtz.
Manche Begriffe der Bruderschaft sind rein funktional, aber dennoch poetisch in ihrer Kargheit: „Rückkopplung“, „Essenzbruch“, „Versiegelte These“.
🪙 Münzkompanie
„Gesiegelt ist gebunden.“
„Ein Handschlag zählt – wenn der Notar zuschaut.“
„Wer nicht zahlt, verhandelt.“
Die Sprache der Kompanie ist voll juristischer Formeln, gestapelter Nebensätze und doppelter Absicherungen.
Viele Begriffe haben eine gesetzliche und eine gesellschaftliche Bedeutung zugleich – etwa „Anlage“, „Bindung“ oder „Eintrag“.
🦅 Greifenbrigade
„Weg. Wort. Wirkung.“
„Meld’s – oder trag’s.“
„Der erste Befehl zählt.“
Knappe, klare Sprache. Befehlston. Alles Unnötige wird gestrichen.
Der Ton in der Brigade ist formell, aber nicht verschachtelt – das Ziel ist Handlungsfähigkeit, nicht Eleganz.
🌊 Hochsee-Archipel
„Sprich mit Salz, nicht mit Spucke.“
„Wenn der Wind lacht, zieh das Messer.“
„Ein ruhiger Hafen lügt am lautesten.“
Die Sprache der Inseln ist rhythmisch, bildhaft, voll maritimer Metaphern und FlĂĽche.
Wörter wie „Kiel“, „Tiefgang“, „Flutzeichen“ oder „Salzzeiger“ bedeuten dort weit mehr als auf dem Festland.
In Tarakus dagegen ist Sprache oft Tarnung – was gesagt wird, ist selten das, was gemeint ist.