🔔 Rechtsprechhung & Gesetz
„Nicht jede Klinge trennt Fleisch. Manche trennt Schuld von Strafe.“
Die Gerechtigkeit in Terranien trägt viele Gewänder – das der Krone, das der Fraktionen, das der Tradition. Sie ist weder blind noch stumm. Aber sie hat viele Stimmen – und nicht alle sprechen dieselbe Sprache.
🏛️ Das Reichsgesetz
Formal ruht das Recht auf der Autorität des Kaisers, dessen Wort in allen Landen Gesetz ist. Es wird niedergeschrieben, bewahrt und ausgelegt durch das Reichskonzil, dessen Mitglieder nicht nur Ratgeber der Krone, sondern auch Stimme des Volkes und der Fraktionen sind.
Doch es ist nicht das Konzil allein, das das Gesetz trägt. Vielmehr ist es der weitverzweigte Beamtenapparat des Reiches – eine Armee aus Schreiberlingen, Sekretären, Untersuchern und Urkundsführern –, die dafür sorgen, dass Recht nicht nur beschlossen, sondern auch vollzogen wird.
In Städten wie Landarion genießen hohe Beamte ein Ansehen, das dem von Offizieren oder Ordenspriestern in nichts nachsteht. Sie gelten als Rückgrat der Ordnung – und als lebendige Fäden im Gewebe der kaiserlichen Verwaltung.
Die Greifenbrigade stellt in Krisen den Vollzug sicher – mit dem Schwert, wenn nötig.
Doch im Alltag ist das Reich kein zentralistischer Hammer. Es duldet Spielräume. Und viele schlagen daraus Gold, Gunst – oder Groll.
🏘️ Stadt-, Land- und Sonderrecht
Je nach Ort greift anderes Recht. In der Kaiserstadt Landarion gelten kaiserliche Kodizes.
Doch in den entlegenen Dörfern der Herzlande urteilen oft noch Erbälteste, Dorfschreiber oder Geweihte der Tetrachie.
In den Städten verfügen Zünfte über eigene Rechtsprechung in Handelsfragen, und mancher Zollrichter der Münzkompanie genießt Immunität – solange seine Bücher stimmen.
Auf den Inseln des Hochsee-Archipels greift ein fragiler Kompromiss:
Der Hochseerat spricht in Handelsfragen, die Freien Gezeiten pochen auf altes Brauchtum – und in Tarakus gilt: Wer das Messer hält, hat Recht, solange der Schwurbund zustimmt.
„Im Reich urteilt der Kaiser. Im Archipel der Wind. Und in Tarakus der, der den Raum zuerst betritt.“
🕊️ Die Rolle der Tetrachie
Der Orden der Tetrachie ist kein weltliches Gericht – und doch richtet er.
Bei magischem Missbrauch, Seelenverderbnis oder geistiger Bedrohung kann jeder Bürger das „Vierte Wort“ anrufen: Ein Tetralit wird entsandt, um zu urteilen.
Er spricht keine Strafe, sondern Heilung, Bann oder Buße – und seine Entscheidung ist selten verhandelbar.
Nicht jeder Ort gestattet diesen Eingriff bereitwillig. Doch wer ihn ruft, akzeptiert auch, dass das Gleichgewicht über dem Wohl des Einzelnen steht.
💰 Die Macht der Münze
Die Münzkompanie hat eigene Kodizes, Siegelrechte und Vertragsgerichte. Wer unter ihrem Schutz steht, kann sich oft der weltlichen Gerichtsbarkeit entziehen – sofern die Bücher ausgeglichen sind.
Ein Handelsbruch mit kaiserlicher Lizenz wiegt schwerer als ein Mord im Niemandsland.
„Verlust durch Vertragsbruch“ gilt im Reich als schweres Vergehen – besonders, wenn Zinsen oder Versorgung betroffen sind.
„Wer Recht will, braucht einen Zeugen. Wer Gerechtigkeit will, braucht einen Sponsor.“
🔥 Sonderrechte und Immunitäten
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Die Dampfbruderschaft hat in technischen Zonen (Werke, Lager, Transportlinien) richterliche Hoheit über Unfälle, Sabotage und Fehlkonstruktionen. Ihre „Traktare“ sind gefürchtet – trockene Urteile, in Zahlen gegossen.
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Die Grenzwacht kennt kein Gericht. Sie urteilt im Marsch – mit kaltem Blick und eigenem Kodex. Doch kein Kaiser hat ihnen je widersprochen.
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Die Greifenbrigade darf „im Namen der Krone“ vor Ort Urteil sprechen – jedoch nur in bewaffnetem Einsatz oder bei imperialer Bedrohung.
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Die Kleinfinger? Sie haben kein Recht. Aber wenn man sie verrät, wacht man oft ohne Stiefel auf.
🔨 Strafen & Vollzug
Gefängnisse sind im Reich selten – nicht aus Milde, sondern aus Pragmatismus.
Sie existieren vor allem in größeren Städten wie Landarion, Ravaryn oder Elona – ausgestattet mit eigenen Wachen, Gerichtsschreibern und oft sogar Beichtkammern.
Doch für die meisten Vergehen sieht das Reich schnelle, sichtbare und abschreckende Strafen vor.
⚖️ Übliche Strafformen:
Art der Strafe | Beschreibung |
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Geldbußen | Häufigste Form. Entschädigungen gehen an Opfer, Zunft oder Reich. Vollstreckt meist über die Münzkompanie. |
Körperstrafen | Stockhiebe, Brandzeichen, Gliedverlust. Verhängt u. a. bei öffentlicher Lüge, Gotteslästerung oder Befehlsverweigerung – insbesondere bei Einheiten wie der Greifenbrigade. |
Verbannung | In Marschland, unwirtliche Regionen oder – im Hochsee-Archipel – auf entlegene Felseninseln (auch „Salzexil“ genannt). Dienst bei der Grenzwacht gilt als Form der Strafverbannung – oft ohne Rückkehrrecht. |
Zwangsdienste | Fronarbeit, Marschreinigung, Straßenbau. Typisch bei Vergehen wie Renitenz, Steuerverweigerung, Aufwiegelung oder entwürdigendem Verhalten. |
Magievergehen | Nichtgemeldete Zauberei wird durch die Tetrachie verfolgt – mit Strafen wie Bannkreis, Klosterhaft oder ritueller Stille. |
Wissensvergehen | Rezeptdiebstahl, Patentbruch, Formelfälschung. Bringt Klagen von Zünften und insbesondere der Dampfbruderschaft mit sich – oft gefolgt von öffentlicher Ächtung, Berufsverbot oder Zunftverweis. |
🛡️ Strafdienst in den Marschen
Eine Besonderheit des Reiches ist die Praxis, Verurteilte zur Grenzwacht zu entsenden – besonders bei schwerwiegenden, aber nicht todeswürdigen Vergehen.
Dort dienen sie unter Aufsicht, meist am Rand der Düstermarschen. Einige überleben. Manche kehren geläutert zurück. Die meisten – nicht.
Für die Grenzwacht ist dies eine der wichtigsten Rekrutierungsquellen:
Verzweifelte. Entwurzelte. Schuldige.
Solche, die nichts mehr zu verlieren haben – oder die Hoffnung auf Erlösung.
In der Bevölkerung ist diese Praxis umstritten:
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Die einen nennen es „letzte Chance“.
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Die anderen: „Müllabfuhr mit Schwert“.
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Es gibt Lieder über jene, die durch Dienst in der Marsch zu Helden wurden.
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Und Gerüchte über jene, die nie wirklich gesühnt – sondern einfach verschwunden sind.
„Wer in der Marsch stirbt, stirbt für das Reich. Aber nicht für seinen Namen.“