đ Pantheon Terraniens
âAm Anfang war das Rad, und das Rad drehte sich in vier Bahnen â FrĂŒhling, Sommer, Herbst und Winter. So erschufen Ilun, Vael, Esha und Norys die Welt und ihr Gleichgewicht.â
â Aus den heiligen Schriften des Ordens der Tetrarchie
Nach dem zentralen Glauben des Ordens der Tetrarchie, der gröĂten und staatsgetragenen Religion Terraniens, entstand die Welt als Manifestation des ewigen Zyklus der vier Jahreszeiten. In einer Zeit, bevor Zeit und Raum geformt waren, herrschte das Chaos. Dann erwachten vier uralte MĂ€chte, die Jahreszeitengötter Ilun, Vael, Esha und Norys, und ordneten das Wirken der Natur in den Kreislauf von Werden, BlĂŒhen, Vergehen und Ruhen.
Ilun hauchte der Welt neues Leben ein, Vael schenkte ihr Kraft und FĂŒlle, Esha fĂŒhrte MaĂ und Einsicht ein, und Norys hĂŒllte alles in die Stille der Erkenntnis. So entstand das Rad des Jahres â ein ewiger Tanz aus Aufbruch, Wachstum, RĂŒckzug und Erneuerung, der das Gleichgewicht allen Seins sichert.
âš Die Staatsreligion der Tetrarchie
Ilun, der FrĂŒhlingsatem đ±
Ilun wird als junge Frau dargestellt, deren Antlitz von jugendlicher Frische und strahlender Hoffnung erfĂŒllt ist. Ihr Haar scheint aus lebendigem GrĂŒn zu bestehen, das im Wind wie BlĂ€tterrauschen weht, und um ihre Schultern schmiegen sich zarte BlĂŒtenranken. Ilun symbolisiert den Aufbruch des Lebens, die heilende Kraft der Natur und die verheiĂungsvolle Kraft des Neubeginns.
Die GlĂ€ubigen sehen in ihr die sanfte Heilerin und frohe Botin, die nach langen Wintern das Land wieder erwachen lĂ€sst. Sie spendet Heilung fĂŒr Körper und Geist, weckt Sehnsucht nach Wachstum und treibt die Saat in die Erde. Mit ihr verbinden sich Feste zur Aussaat, zu Erneuerung und Hoffnung â ein Versprechen, dass nach Dunkelheit immer Licht folgt.
Doch Iluns Gabe birgt eine Schattenseite: Ihre Leichtsinnigkeit kann leicht in Ăbermut und fahrlĂ€ssige Hoffnungslosigkeit umschlagen. Die Natur ist unberechenbar, und wer Iluns FrĂŒhlingblindheit folgt, riskiert Verluste und EnttĂ€uschungen. Manche zwielichtige Kulte und ausgehungerte Sekten verehren Ilun als Göttin des wilden Chaos und der ungestĂŒmen Leidenschaft â nicht als sanfte Heilerin, sondern als zerstörerische Kraft, die Unvorsichtigkeit sĂ€t.
Gesellschaftlich finden sich Iluns AnhĂ€nger oft unter jungen Menschen, Heilern, Bauern und KĂŒnstlern, die an Wandel und Wachstum glauben. Sie sind impulsiv, leidenschaftlich und lebensbejahend, manchmal aber auch leichtsinnig und rebellisch.
Vael, das Sommerherz âïž
Vael wird als stattlicher, muskulöser Mann mit sonnengebrĂ€unter Haut und goldenen Augen dargestellt. Seine PrĂ€senz strahlt WĂ€rme, StĂ€rke und unerbittliche Klarheit aus. Seine Haare flammen wie Sonnenstrahlen, und sein Herz wird oft als pulsierende Sonnenscheibe visualisiert. Vael steht fĂŒr die FĂŒlle des Sommers, das Feuer der Kraft und die Klarheit des Geistes.
Er ist der WĂ€chter des Wachstums, der Patron von Handwerk, Kriegskunst und gesellschaftlicher Ordnung. Unter seinem Schutz gedeihen StĂ€dte, Schmieden und Krieger. Die groĂen Sonnenfeste ehren Vaels Glanz und seine unermĂŒdliche Energie.
Doch Vael trĂ€gt auch die Gefahr des Hochmuts und Starrsinns in sich. Sein Feuer kann zu Zorn, Ăberheblichkeit und erbarmungsloser HĂ€rte werden. Einige machtgierige Lords und Kriegsherren berufen sich auf Vael, um ihre Grausamkeit und ihren Stolz zu rechtfertigen. Vael wird so nicht nur als Lebensspender, sondern auch als brennende, unerbittliche Macht verehrt.
Seine Gefolgsleute sind oft Krieger, Handwerker, HÀndler und Obrigkeiten, die Wert auf StÀrke, Ordnung und Durchsetzung legen. Sie ehren Vael mit kraftvollen Ritualen und den Sonnenfesten, die Gemeinschaft und Wohlstand fördern.
Esha, die Herbsttrauer đ
Esha erscheint als weise, reife Frau mit silbernem Haar, das von braunen und goldenen Nuancen durchzogen ist, wie die Farben der fallenden BlĂ€tter im Herbst. Ihre sanften, aber ernsten Augen tragen die Schwere von Abschied und Erinnerung. Sie trĂ€gt GewĂ€nder, die wie raschelndes Herbstlaub wirken, und ihr Blick ist geprĂ€gt von einer bittersĂŒĂen Melancholie.
Esha ist die Göttin der Ernte, der MaĂhaltung und der Einsicht. Sie lehrt die Menschen, dass alles Sein vergĂ€nglich ist, und fordert Respekt vor dem Ende und der VergĂ€nglichkeit. In ihrer Jahreszeit wird geerntet, gedankt, reflektiert und der Ahnen gedacht. Die Feste zu Esha sind geprĂ€gt von Andacht, Ruhe und Nachdenklichkeit.
Doch Esha hĂŒtet auch die dunkle Seite des Zweifels, der Schwermut und des Loslassens. Ihre Lehren können zu Resignation und Selbstzweifel fĂŒhren. Manche Kulte nutzen Esha als Göttin des Verfalls und der Verzweiflung, um dunkle Rituale der Trauer und des RĂŒckzugs zu legitimieren.
Gesellschaftlich finden sich ihre AnhĂ€nger oft unter Ălteren, Gelehrten, Druiden und Philosophen, die Wert auf Balance, Weisheit und das VerstĂ€ndnis der zyklischen Natur des Lebens legen.
Norys, der Winterhauch âïž
Norys wird als geheimnisvoller, in Nebel gehĂŒllter Mann mit blasser Haut und eisblauen Augen dargestellt. Sein Haar weht wie kalter Wind, und seine PrĂ€senz vermittelt Stille und Tiefe. Er ist der Herr der Winterruhe, der KĂ€lte, des Vergessens und des tiefen Traums.
Unter Norys' Herrschaft ziehen sich die Lebenden zurĂŒck, sammeln KrĂ€fte und besinnen sich auf das Innenleben. Seine Jahreszeit ist geprĂ€gt von Stille, Erkenntnis und der Vorbereitung auf einen neuen Kreislauf. Die Winterfeste sind still und ernst, oft verbunden mit Gedenken an Verstorbene und das Bewahren von Erinnerungen.
Doch Norys birgt auch den Schatten des Todes, des Vergessens und der Isolation. Seine KÀlte kann Herzen verhÀrten, Seelen vereinsamen lassen und den Tod bringen. Manche finstere Orden und Sekten verehren Norys als Gott des Endes, der Auslöschung und der Einsamkeit.
AnhÀnger Norys' sind oft Einsiedler, Mystiker, Seher und Sterbenskranke, die das Ende akzeptieren und die Kraft in der Stille suchen.
đŻ Sonstige Kulte & Religionen
Ăber die Jahrzehnte hat sich der Orden der Tetrachie zum HĂŒter nicht nur der Lehren, sondern der gesamten Glaubensordnung des Reiches erhoben. Er schĂŒtzt das Heilige vor dem Vergessen, heilt Körper wie Geist, und bewahrt mit klarem Blick jene Balance, die das Reich zusammenhĂ€lt. Wo Tetraliten wirken, kehrt oft Ordnung ein â in chaotischen Dörfern, in belagerten Lazaretten, in den Schatten groĂer Bibliotheken.
Doch mit Ordnung kommt auch Kontrolle. Der Orden wacht streng darĂŒber, was als rechtglĂ€ubig gilt â und was nicht. Viele der alten Kulte und lokalen Götter, die einst in Terranien blĂŒhten, gelten heute als ungebunden, mancherorts gar als sektenhaft. Ihre Rituale werden geduldet, belĂ€chelt oder still unterdrĂŒckt. Die Tetrachie predigt MĂ€Ăigung, doch zeigt sie sich gegenĂŒber Abweichung oft unnachgiebig.
So ist aus dem einstigen SchutzbĂŒndnis eine Macht mit Licht und Schatten geworden â ein Bollwerk gegen das Chaos, aber auch ein Apparat der Ausgrenzung. Und wĂ€hrend in den Zentren des Reiches nur noch die vier Jahreszeiten verehrt werden, flackern in entlegenen Winkeln alte Flammen weiter â verborgen, trotzig, niemals ganz erloschen.
đż Die alten Zirkel
Die alten Zirkel sind lose und freie Gemeinschaften von Druiden, die â im Gegensatz zum strengen Orden der Tetrachie â ihren Glauben ungebunden und vielfĂ€ltig leben. Sie teilen zwar den Glauben an die vier Jahresgötter, doch erweitern ihr Pantheon um zahlreiche kleinere Natur- und Tiergeister, wie den ehrwĂŒrdigen Hirschgeist, der als WĂ€chter der uralten WĂ€lder gilt und das Gleichgewicht zwischen Leben und Tod wahrt, oder die scheuen Schutznymphen der Quellen, deren sanftes FlĂŒstern das Reinigen von Körper und Seele symbolisiert. Diese tiefe Verbundenheit mit der wilden Natur prĂ€gt ihren Weg.
Das Kaiserreich und der Orden betrachten die Zirkel als Heiden, dulden sie jedoch stillschweigend. Denn trotz ihrer Andersartigkeit teilen sie einen Ă€hnlichen Werte-Kosmos, und es geht von ihnen keine ernsthafte Gefahr aus. So bestehen zwischen den Welten von Stadt und Wildnis stille ĂbereinkĂŒnfte â respektvoll, aber distanziert.
đ Der Tiefengott der See
Der Kult des Tiefengottes verehrt VhalâThun, den namenlosen Herrn der MeeresgrĂŒnde und Nebel. Einst von den Inselbewohnern des Hochsee-Archipels als mĂ€chtiger Schutzgeist verehrt, steht VhalâThun heute fĂŒr die alte Ordnung und die Autonomie der Inseln â ein Symbol des Widerstands gegen das wachsende Reich und seine strengen Götter.
Im Gegensatz zu den Druidenzirkeln wird VhalâThun von den kaiserlichen AutoritĂ€ten misstrauisch beĂ€ugt und nicht geduldet, denn sein Kult gilt als rebellisch und gefĂ€hrlich. Die geheimen AnhĂ€nger, darunter viele aus der Rebellenbewegung der freien Gezeiten, sehen in ihm den Schutzpatron ihrer Freiheit und den WĂ€chter ĂŒber die See, die niemals ganz dem Reich gehört.
Noch heute werden in den entlegeneren Teilen des Archipels, fernab der kaiserlichen Augen, kleine Opfergaben aus Salz, Harz und Bernstein ins Meer geworfen â meist heimlich in nĂ€chtlichen Zeremonien, begleitet von alten GesĂ€ngen und leisen Beschwörungen. Seefahrer und Fischer halten sich an alte GebrĂ€uche, etwa das Tragen von Amuletten aus getrocknetem Meeresschwamm oder geschnitzten Muscheln, die den Segen VhalâThuns symbolisieren und vor Unheil schĂŒtzen sollen.
Das Ritual des âSturmsegensâ â bei dem ein Schiff mit Salz gesegnet wird, um den Schutz VhalâThuns zu erbitten â ist nach wie vor verbreitet, auch wenn es offiziell verboten ist. Viele Inselbewohner beteuern zwar, nur aus Tradition zu handeln, doch in den stĂŒrmischen NĂ€chten hört man das FlĂŒstern ihrer alten Götter immer noch im Wind und den Wellen.
So lebt der Kult des Tiefengottes als verborgener Schatten im Glaubensmosaik Terraniens weiter â gefĂŒrchtet, verfolgt, doch von den Herzen der Inselbewohner nicht auszurotten.
⧠Die vergessenen Götter der Völker
Lange bevor das Kaiserreich seine Banner ĂŒber das Land spannte und die Tetrachie den Glauben an die vier Jahresgötter zur Norm erhob, verehrten die Völker Terraniens ihre eigenen Götter â rohe, greifbare Wesen, die nicht in Licht und Ordnung lebten, sondern in Zorn, Erinnerung und Blut.
Diese Volksgötter hatten Gesichter aus Fleisch und Stein, kannten Hunger, Rache, Liebe â und wurden in Ritualen geboren, die so wild und vielgestaltig waren wie ihre GlĂ€ubigen selbst. Bei Orks, Elfen, Zwergen und anderen alten Völkern waren sie tief in Alltag und IdentitĂ€t verwurzelt, Spiegel des eigenen Wesens und Weltbilds.
Doch mit der ReichsgrĂŒndung und der Verbreitung der Tetrachie wurden diese alten Glaubensformen an den Rand gedrĂ€ngt. Ihre Namen wurden verboten, ihre Tempel geschleift, ihre AnhĂ€nger als Götzendiener, Ketzer oder Barbaren verfemt. Was blieb, waren FlĂŒstergebete, versteckte Zeichen â und die feste Ăberzeugung, dass manche Dinge nicht so leicht sterben.
Gruumâtash, der Knochenschmied, gilt als einer der Ă€ltesten orkischen Götter. In den Legenden des Bluthauer-Clans erschuf er die ersten Orks aus dem Mark erschlagener Titanen â mit Feuer, Eisen und roher Wut. Er steht fĂŒr StĂ€rke durch Schmerz, fĂŒr Schöpfung durch Zerstörung. Seine alten Riten â das âFeuer der Erneuerungâ, bei dem Knochen und zerbrochene Waffen verbrannt wurden â galten als Ăbergang in ein neues Leben. Noch heute rufen ihn einzelne StĂ€mme in den östlichen Tundren, wenn sie sich auf Krieg und Rache vorbereiten. Seine Zeichen: gesplitterte Klingen, Asche-TĂ€towierungen, Knochenamulette auf nackter Haut.
Die Elfen hingegen verehrten einst Lunareth, die Mondtrauernde. Sie war keine Göttin des Glanzes, sondern der Stille, des Erinnerns und Vergessens. Man sagt, ihre TrĂ€nen wurden zu Tau, ihr Blick spiegelte sich in stillen Wassern, ihr Wille offenbarte sich in TrĂ€umen und Spiegelungen. Das alte Nebelritual, bei dem Elfen im Morgengrauen schweigend ins Wasser traten, mit Schleiern aus Mondseide, diente der Bitte um Erinnerung â oder Erlösung vom Vergangenen. Auch wenn der Kult offiziell als erloschen gilt, tragen manche Elfenpriesterinnen im Verborgenen noch immer mondförmige OpalanhĂ€nger, die im Dunkeln leuchten â ein letztes Zeichen eines alten Bundes.