📚 Bildung & Schriftkultur


„Was gesprochen wird, vergeht. Was geschrieben wird, bleibt – wenn man es lässt.“

In einem Reich, das von Mauern, Märkten und Magie zusammengehalten wird, ist Bildung kein Luxus, sondern Macht. Doch wie so vieles in Terranien ist auch das Wissen nicht gleich verteilt – sondern eingebettet in Stand, Herkunft und Weltanschauung.

🏫 Schulen, Schreiber und Spaltung

Die meisten Kinder im Reich lernen lesen – wenn auch oft nur ihren Namen, Zahlen bis zehn und das Zeichen der Krone.
In den Herzlanden sind Bildungshäuser weit verbreitet, gefördert durch Zünfte, Kirchen und Stadträte. In Landarion gilt es als Schande, ein Kind nicht lesen zu lassen.
Doch in den Außenprovinzen, auf dem Land oder in vergessenen Winkeln des Archipels, ist Bildung ein seltenes Gut. Dort hängt alles von reisenden Lehrmeistern, klugen Müttern oder willigen Priestern ab – und oft von Glück.

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Was für die Oberschicht selbstverständlich ist, bleibt für den einfachen Fischer, die Sumpfkindfrau oder den Straßenjungen ein ferner Traum: Schreiben. Geschichte. Weltverständnis.
Die einen lernen Bücher zu schreiben. Die anderen, wie man Feuerholz zählt.

✒️ Der Kanon der Sieben Grundkünste

Offiziell lehrt das Reich in seinen Schulen einen festgelegten Lehrplan – den sogenannten Kanon der Sieben Grundkünste:

  1. Lesen & Zeichenkunde – vermittelt durch Reichsschreiber und kaiserliche Beamte

  2. Zahlen & Maß – gelehrt im Geist der Dampfbruderschaft

  3. Reichsgeschichte & Herrschaftsformen – getragen von der Krone selbst

  4. Göttliche Ordnung & Jahreslauf – heiliges Gebiet der Tetrachie

  5. Verhalten im Handel & Vertrag – einflusssicher durch die Münzkompanie

  6. Maß, Moral & Rechtsverständnis – geprägt durch Ordensrichter und Reichsnotare

  7. Körperzucht & Haltung – unterstützt von der Greifenbrigade und den Stadtgarden

In den Städten wird der Kanon vollständig unterrichtet – oft in Varianten für Handwerk, Gelehrtentum oder klerikales Leben.
Auf dem Land hingegen endet die „Schule“ oft nach Punkt 2 – wenn überhaupt.

„Ein armer Mann kennt zehn Zeichen. Ein reicher kennt zehn Wege, sie gegen dich zu wenden.“

📜 Schrift als Werkzeug – und als Wacht

Was geschrieben ist, hat Gewicht. Im Kaiserreich gilt das Wort auf Pergament oft mehr als ein Schwur im Wind – besonders, wenn es mit einem Siegel versehen ist. Verträge, Besitzrechte, Befehlsschriften und alchemische Formeln: Alles wird niedergeschrieben, archiviert, bewahrt – oder verbrannt.

Denn Schrift ist nicht nur Werkzeug, sondern auch Waffe. In den dunklen Jahren der Plagezeit wurden ganze Bibliotheken vernichtet, weil sie Hoffnung säten, wo nur Gehorsam gefragt war – oder Wahrheiten enthielten, die niemand hören wollte. Heute wachen drei große Kräfte über das Geschriebene:

Die Tetrachie verwahrt alte Weisheit in klösterlichen Archiven. Ihre Runenpriester schreiben mit silberner Tinte in verschlüsselten Lettern – kunstvoll, unlesbar, gefährlich.
Die Münzkompanie unterhält das größte zivile Archiv des Reiches. Ihre Tintenrevisoren sind berüchtigt für ihre Strenge – sie prüfen jede Zahl, jeden Namen, jede Klausel.
Die Dampfbruderschaft hingegen schreibt in Formeln, Plänen und Konstruktprotokollen – voller Zeichen und Symbole, teils verschlüsselt, teils gezielt irreführend. Wer sie ohne Ausbildung liest, liest oft in eine Falle.

Manche dieser Hallen gelten als neutraler Boden. Andere als verschlossen wie Gräber. Doch alle eint ein Grundsatz:

„Schrift schützt. Schrift bindet. Und Schrift kann vernichten.“

📬 Post & Nachrichtenwesen – Der Cursus Alatus

Nicht Reiter, nicht Boote, nicht Magie – sondern Federn tragen die Botschaft des Kaisers über alle Grenzen hinweg. Seit der Gründung des Reiches existiert er: der Cursus Alatus, die geflügelte Reichspost, eine ehrwürdige Institution, deren Mitglieder mit Flügeln geboren wurden – oder sie sich durch eiserne Disziplin verdienen.

Ihre Boten sind keine gewöhnlichen Vögel. Es sind intelligente Vogelwesen, greifähnliche Hybriden und hochgezüchtete Brieftauben der kaiserlichen Linie – Wesen, deren Leben einzig dem Reichsdienst geweiht ist. In ihren Augen glänzt der Eid, in ihren Krallen ruhen Schicksale.

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Angeführt wird der Cursus Alatus vom Hohen Aerarchen der Lüfte, einem alten Rabenwesen von unantastbarer Würde. Ihm unterstehen Flügelkader, die nach Regionen gegliedert sind. Jeder Kader besteht aus Hunderten fliegender Boten, ausgebildet in der Aerie von Alt-Faenrik, dem legendären Hort der Himmelsbünde. Dort lernen sie Flugkunst, Kartografie, Windlesen – und das Letzte, was sie einem Angreifer zufliegen lassen, ist ihr Herzblut.

Die kaiserlichen Brieftauben gelten als Elite – in schimmernden Bronzeschnabelpanzerungen, mit glimmenden Ätherfedern und Schutzrunen an Brust und Flügel. Ihre Kuriertaschen sind versiegelt, ihre Wege geheim. Viele fallen – doch nie, ohne ihre Botschaft zu überbringen.

„Der Himmel schweigt nicht, wenn das Reich ruft.“ – Wahlspruch des Cursus Alatus

Neben ihnen dienen auch Schnellraben, Bannsegler und Windschreiter – jede Art spezialisiert auf bestimmte Regionen, von Gebirgen bis hin zur Küste. Im Notfall greifen sie auf magische Flugzeichen zurück – leuchtende Glyphenvögel aus Ätheressenz, die nur einmal fliegen, aber nie vergessen werden.

Innerhalb des Volkes gilt der Dienst im Cursus Alatus – vor allem unter den Vogelwesen – als höchste Ehre. Ihre Toten werden mit gläsernen Flügelurnen bestattet. Ihre Gesänge tragen Geschichten, nicht Klagen.

🗞️ Zeitungen, Flugblätter & Kaisermeldungen

Wo Worte zählen, zählen auch jene, die sie vervielfältigen. Im Kaiserreich ist das geschriebene Wort nicht nur Werkzeug der Bildung, sondern auch Mittel der Einflussnahme, Unterhaltung – und manchmal der Aufwiegelung.

Die Verbreitung von Nachrichten geschieht auf vielen Wegen: Wandanschläge, Flugblätter, Gesangsrollen, sprechende Pergamente – und natürlich durch klassische Zeitungsdrucke. Dabei unterscheidet man zwischen autorisierten Reichsverlautbarungen, provinziellen Mitteilungsblättern und unabhängigen Druckwerken mit eigener Stimme.

„Was einmal gedruckt ist, kann nicht zurückgerufen werden – nur verbrannt. Und selbst das hilft selten.“ – Volksweisheit

Die bekannteste offizielle Publikation ist der „Kaiserspiegel“, ein mehrseitiger Bogen mit Reichssiegel, der wöchentlich in größeren Städten angeschlagen oder durch Vorleser verkündet wird. Er enthält Erlasse, Belobigungen, Aufgebote – und ist oft so trocken wie altes Pergament.

Lebhafter und deutlich beliebter ist „Die Flammende Feder“, eine halb-legale Zeitung aus Ravaryn, deren Redakteure stets „anonym und auf der Flucht“ arbeiten. Sie bringt Enthüllungen, Spottgedichte, Gerüchte und mutmaßliche Affären ans Licht – und wird vom einfachen Volk ebenso gierig gelesen wie von gelangweilten Adligen unter dem Tisch.

Ein Sonderfall sind die sogenannten Flüsterseiten – magisch versiegelte Einzeldrucke, deren Inhalt sich dem Leser nur offenbart, wenn er ein bestimmtes Wort spricht oder ein bestimmtes Zeichen erkennt. Sie dienen der Kommunikation innerhalb geheimer Zirkel, Spionagenetze – oder Liebenden, die zu viel zu verlieren haben.