🕯️ Die Verlorene Schar


„Licht hat seinen Preis. Und manche bezahlten ihn mit Dunkelheit.“

Niemand weiß genau, wann sie sich formierten – jene düstere Schar, die in den Plagenkriegen nur flüsternd genannt wurde. Manche nannten sie die Aschepfade, andere die Schattenrichter, wieder andere schlicht das Kollektiv. Der heutige Volksmund kennt sie unter einem anderen Namen:
Die Verlorene Schar.

Was sie einte, war nicht ihre Herkunft, nicht ein Eid, sondern ein Zweck: die Plage aufhalten – um jeden Preis.
Sie handelten dort, wo andere nicht wagten zu gehen. Sie sprachen mit jenen, die andere verbrannten. Und sie experimentierten mit Kräften, die das Reich heute nicht einmal benennen will. Nekromantie, sagen einige. Verseuchte Alchemie, sagen andere. Vielleicht beides. Vielleicht mehr.
Und wenn es ihnen dienlich erschien, nutzten sie die Plage selbst: gebändigte Monster, verseuchte Kreaturen, wandelnde Schrecken – nicht als Feinde, sondern als Werkzeuge.
Wie genau sie das taten, ist verloren oder verschwiegen worden. Doch noch heute flüstert man von Rittern, die von kranken Bestien begleitet wurden – und von Feinden, die sich plötzlich gegen ihre eigenen Brüder wandten, als hätten andere Stimmen zu ihnen gesprochen.

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Die Schar war eine jener Abenteurergruppen, wie es sie zu Zeiten der Plagenkriege viele gab – doch kaum eine wurde so gefürchtet, so misstrauisch betrachtet wie sie.
Wo andere offen kämpften, operierten sie im Verborgenen. Ihre Mitglieder traten nie unverschleiert auf; sie verbargen ihre Gesichter hinter Masken, Kapuzen oder Bemalungen.
Nur ein Name ist überliefert – ein Titel, kein Gesicht: „Die Stimme aus Ruß“, Anführerin oder Anführer der Schar. Ob es sich dabei um eine Person oder eine wechselnde Rolle handelte, weiß heute niemand.

Manche Fraktionen tolerierten sie – zähneknirschend. Andere sahen sie als notwendigen Schrecken. Wieder andere schwiegen. Denn manchmal kehrten sie nicht mit Feinden zurück, sondern mit Erkenntnissen. Und manchmal kehrten sie gar nicht zurück.

Heute ist ihr Schicksal ungewiss.
Manche sagen, sie lösten sich auf, als ihr Zweck erfüllt war. Andere, dass sie verjagt wurden – oder schlimmer: dass sie in den Schatten weiter wirken. Es gibt Geschichten von Maskierten, die in verseuchten Ruinen Rituale vollführen. Von Kindern, die mit Aschezeichen auf der Stirn geboren werden. Von Bibliotheken, in denen Seiten fehlen – und niemand sich erinnert, was darauf stand.

Was auch immer aus der Verlorenen Schar wurde – sie bleibt ein Mahnmal dafür, dass nicht jeder Pfad zur Rettung durch Licht führen muss. Manche führen durch Nacht. Und manche kehren nie zurück.