🦌 Die Alten Zirkel


„Nicht alles, was wächst, will gezähmt werden.“

Sie tragen keinen Namen, den man aussprechen könnte, kein Wappen, das man malen dürfte – und keinen Schwur, der vor einem Thron geleistet wurde. Und doch gibt es sie, überall und nirgends, in den Tiefen der alten Wälder, unter den Hügeln der Wildlande, in Höhlen, deren Moos älter ist als jedes Reich:
die alten Zirkel, lose Gemeinschaften von Druiden, Weisen und Wanderern, die sich dem Rhythmus der Welt verschrieben haben – nicht dem der Städte.

Für die einen sind sie Relikte einer versunkenen Zeit. Für andere sind sie Mahner, deren Stimmen wie das Wispern der Bäume klingen, warnend vor dem Tosen des Fortschritts. Sie betrachten die Plage als Folge einer gestörten Ordnung, nicht als feindliche Invasion.
Und doch zogen nicht wenige von ihnen in die Plagenkriege – nicht für ein Banner, sondern für das Gleichgewicht, das zu zerbrechen drohte. Ihre Kräfte waren urwüchsig, ihre Verbündeten manchmal tierisch, manchmal fremdartig – und ihre Taten wurden nicht immer verstanden.

Das heutige Reich betrachten die meisten Zirkel mit Misstrauen. Nicht aus Feindseligkeit, sondern weil sie es als etwas Künstliches sehen – ein Netz aus Regeln und Grenzen, das nicht mit dem Fluss der Welt, sondern gegen ihn webt. Mit Fraktionen wie dem Orden der Tetrarchie teilen sie einen gewissen Respekt für die Kräfte des Lebens, doch während der Orden in Tempeln dient, wandeln die Zirkel unter freiem Himmel. Die Dampfbruderschaft und die Münzkompanie wiederum sind ihnen fremd wie Maschinen dem Regenwurm.
Dennoch: Einige Zirkel haben gelernt, mit den Städten zu handeln, ohne ihnen zu gehören. Und hin und wieder findet ein Gesandter des Reiches bei ihnen Hilfe – wenn er weiß, wie man bittet, ohne zu fordern.

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Manche dieser Zirkel leben völlig abgeschieden, sprechen nur mit Tieren und Geistern. Andere treten zu gewissen Zeiten in Erscheinung – auf Festen, in Dörfern, am Rand großer Felder, um ein krankes Kind zu heilen oder eine Dürre zu wenden. Und dann verschwinden sie wieder – lautlos wie Nebel, nur Spuren hinterlassend, die allein ein Förster deuten könnte.

Manche sagen, es gebe vier Hauptzirkel, wie Jahreszeiten, doch keine Karte zeigt ihre Orte. Andere behaupten, die Zirkel seien wandelbar wie das Laub – mal blühend, mal welk, mal neu geboren aus dem alten Humus.

So wachsen sie weiter – jenseits von Mauern und Ordnungen –, wie das Wurzelwerk selbst: verborgen, verzweigt, lebendig.