🏵️ Das Reichskonzil
„Im Schatten des Throns fällt jede Entscheidung doppelt schwer – und doppelt weit.“
Obgleich das Reich formal unter dem Banner einer Erbmonarchie steht, war es doch schon Kaiser Demios I., der erkannte, dass ein weiser Herrscher nicht allein herrschen sollte. Und so stützte er seine Entscheidungen auf den Beistand eines Konzils – jenes ehrwürdige Gremium, das seither gleichsam die Stimme der Regierung und das Gewissen der Nation verkörpert.
Das Konzil wurde ins Leben gerufen, um dem Kaiser nicht nur Rat zu spenden, sondern auch das vielstimmige Echo Terraniens widerhallen zu lassen – die Sorgen seiner Städte, die Ambitionen seiner Fraktionen, den Atem seines Volkes. Aus diesem Grund schreibt das Gesetz vor, dass das Gremium niemals weniger als acht Mitglieder zählen darf – acht Stimmen, die gemeinsam das Mosaik des Reiches spiegeln.
⚖️ Funktion, Einfluss & Zwischentöne
Das Reichskonzil ist kein Befehlskörper – sondern ein Spiegel. Es verkörpert das, was das Reich zusammenhält: Einigkeit in Uneinigkeit, Balance zwischen Machtblöcken.
Einmal im Monat tritt das Konzil zu einer Vollsitzung zusammen, in der Empfehlungen, Berichte, Reformvorschläge oder Krisenpläne erarbeitet werden – stets in Erwartung eines kaiserlichen Urteils. Ob der Monarch den Rat befolgt oder verwirft, bleibt allein ihm überlassen. Doch kein Herrscher ignoriert auf Dauer das, was im Konzil ausgesprochen – oder verschwiegen – wird.
Vertreten sind im Gremium je ein Abgesandter der fünf großen Fraktionen, ein Vertreter des Adels, ein Sprecher des freien Bürgertums – und als achte Stimme der Kanzler, der vom Kaiser ersucht und vom Konzil bestätigt wird.
Dieser bildet das Verbindungsglied zwischen Krone und Reich, zwischen Befehl und Empfehlung. Er spricht nicht für sich – sondern für das, was sich im Innersten des Reiches regt.
Doch wo viele Stimmen sprechen, erklingt nicht immer Harmonie. Das Konzil ist kein Hort reiner Eintracht. Eigeninteressen schleichen sich ein, Fraktionspolitik webt ihre Fäden, und so mancher Ratschlag ist nicht ohne doppelten Boden.
Und doch – am Ende jedes Disputes muss eine gemeinsame Agenda geschmiedet werden. Das ist Gesetz. Und manchmal auch Kampf.
🧮 Struktur, Rollen & der Kanzler
Das Konzil besteht aus acht stimmberechtigten Mitgliedern:
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Fünf Fraktionssprecher, die ihre jeweiligen Machtblöcke repräsentieren
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Ein Adelsgesandter, meist gewählt aus einem der Hochhäuser
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Ein Sprecher des Bürgertums, oft durch Abstimmung der Reichsstädte bestimmt
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Der Kanzler, Vorsitzender und Vermittler, vom Kaiser ernannt – vom Gremium bestätigt
Derzeit führt Kanzler Varis Carnagil den Vorsitz – ein Mann, dessen Name im Reich mit Respekt, aber auch mit Vorsicht ausgesprochen wird.
In den finsteren Tagen der Plage stand er an vorderster Front als Mitglied der legendären Heldengruppe „die Glänzende Klinge“. Später diente er in der Greifenbrigade, wo Tapferkeit und Disziplin seinen Ruf festigten.
Es war Königinmutter Alfania, die ihn in einer Zeit des Übergangs aus dem Militär in die Politik berief – überzeugt davon, dass das Reich einen Kanzler brauche, der unbestechlich ist und gleichzeitig mit dem Schwert vertraut.
Seit nunmehr einem halben Jahrzehnt lenkt Carnagil mit ruhiger Hand das Konzil – ein Mann, dessen Worte schwerer wiegen als manch königlicher Erlass. Man sagt: Wenn er spricht, hält selbst der Kaiser inne.
👑 Zwischen Krone und Klang
Das Reichskonzil ist mehr als ein Gremium. Es ist das kollektive Gewissen des Kaiserreichs – voller Stimmen, Schatten und Widersprüche.
Es entscheidet nicht. Aber es beeinflusst, verlangsamt, beschleunigt. Es spricht aus, was nicht gesagt werden darf – oder sagt nichts, wo Schweigen lauter wirkt als jedes Dekret.
„Ein kluger Rat regiert nicht – aber er verhindert, dass die Herrschaft fällt.“
Denn in Terranien herrschen nicht nur Schwerter oder Siegel – sondern auch das, was zwischen zwei Worten steht.
Und oft ist es der leise Widerspruch im Konzil, der einen Krieg verhindert, lange bevor er ausbricht.