🕯️ Der Orden der Tetrachie


„Frühling weckt, Sommer stärkt, Herbst mahnt, Winter wahrt – und wir folgen dem Rad, das alles bindet.“

Wo das Schwert allein nicht weiterführt, und wo das Wissen um das Unsichtbare den Unterschied zwischen Verderben und Erlösung bedeutet, da beginnt das Wirken des Ordens der Tetrachie – einer der ältesten und zugleich jüngsten Institutionen des Kaiserreichs.

Gegründet in den Wirren der Plagezeit, entstand der Orden aus einem Pakt mehrerer religiöser und arkaner Strömungen, die erkannten, dass die magische und geistige Ordnung Terraniens ebenso Schutz bedurfte wie seine Mauern und Legionen. Aus dieser Allianz erwuchs eine Struktur, die heute drei heilige Aufgaben vereint: Wissensbewahrung, geistige und medizinische Fürsorge, sowie die Regulierung aller magischen Aktivitäten im Reich.

Zentrales Dogma des Ordens ist der Glaube an die vier Jahresgötter, uralte Mächte, die das Rad des Jahres und das Gleichgewicht der Welt in sich tragen:

Der Orden sieht in ihnen keine allmächtigen Götter, sondern kosmische Prinzipien, deren Gleichgewicht das Fundament aller Schöpfung ist. Aus ihrer Verehrung leitet der Orden Struktur, Rituale und Ethos ab. Die Welt bleibt im Gleichgewicht – oder sie zerfällt.

📜 Aufgaben, Einfluss & innere Spannung

Die Mitglieder des Ordens – Tetraliten genannt – sind Heiler, Seelsorger, Archivare, Lehrer.
Sie führen Sterbende in Würde, lindern Schmerz, stillen Angst, bewahren alte Schriften und bergen verlorenes Wissen.
In Krankenhäusern der Städte wie in abgelegenen Hospizen der Provinzen gelten sie als stille Retter. Ihre Hilfe kommt ohne Preis – aber nicht ohne Fragen.
Sie beobachten magische Phänomene, dokumentieren arkanes Wirken, und prüfen Rituale auf ihre Verträglichkeit mit dem Rad der Jahresgötter.

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Doch mit der Zeit ist aus Fürsorge auch Kontrolle erwachsen.
Was einst als Schutz begann, wird nicht selten als Einmischung empfunden. Die Tetraliten dulden kaum andere religiöse Strömungen – abweichende Kultformen, Naturglaube, dämonische oder „nicht gebundene“ Kulte werden mit eisiger Wachsamkeit behandelt.
Hinter den Fassaden der Klöster munkelt man von Flüchen, Verbannungen und der stillen Unterwanderung ganzer Gemeinden. Nicht aus Hass – sondern aus Überzeugung, dass alles außerhalb des Rades auf lange Sicht ins Chaos führt.

Ein besonderer Fokus des Ordens liegt auf der Registrierung und Überwachung aller magischen Aktivitäten.
Zauberwirker müssen ihre Fähigkeiten melden, magische Zirkel erhalten nur mit Ordenssiegel Gültigkeit.
In Städten führen Archivare Listen über alle registrierten Magier – ihre Herkunft, ihre Schule, ihre bekannten Sprüche.
Nicht aus Misstrauen, sagen die Tetraliten – sondern aus Verantwortung. Denn Macht, die nicht gezählt wird, ist Macht, die entgleiten kann.

📚 Struktur, Titel & eine Legende

An der Spitze des Ordens steht das Quatrumvirat – vier Erzpriesterinnen und Erzpriester, die jeweils eine Jahresmacht vertreten. Nur in Einstimmigkeit kann entschieden werden – kein Licht ohne Schatten, kein Sommer ohne Frost.
Ihre Namen sind kaum bekannt, doch ihre Gesandten reisen mit Siegeln, deren Anblick Türen öffnet, die sonst nicht existieren.

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Das interne Rangsystem folgt einem zyklischen Aufbau – alles strebt zur Mitte, oder wird von ihr ausgestoßen:

Und dann gibt es jene, die keiner Liturgie folgen.
Die Augen des Rades, wie man sie nennt, sind Männer und Frauen des Ordens, die unbeobachtet reisen, zuhören, schreiben, melden.
Oft als Wanderpriester, Schreiber, Pilger oder Krämer verkleidet, durchstreifen sie das Reich, ohne je ihr Amt zu nennen.
Sie notieren Namen. Stellen Fragen. Beobachten Rituale.
Und wenn sie gehen, bleibt nur ein vages Gefühl, dass jemand da war, der zu viel wusste – und nichts vergaß.

Ein Name, der im Orden ehrfürchtig geflüstert wird, ist jener von Caelun Mareth, dem Wandernden Licht.
Einst kämpfte er mit der Glänzenden Klinge gegen die Plage – doch sein Licht brannte nicht durch Magie, sondern durch Hingabe. Jahrzehnte sind vergangen, doch er lebt.
Er trägt keinen Titel, predigt keine Lehren – und doch pilgern Tetraliten aus allen Winkeln Terraniens, nur um ihn schweigend zu sehen.
Für viele ist er mehr als ein Held. Er ist ein lebendes Gleichgewicht – ein Zeichen, dass das Rad seine Auserwählten nicht vergisst.

🔮 Was im Schatten heiligt

Der Orden der Tetrachie steht nicht im Licht der Öffentlichkeit. Doch er ist die stille Hand, die das Reich vor dem Unsichtbaren schützt – und vor sich selbst.
Er heilt, was er prüfen kann. Er lehrt, was er verstehen darf. Er vergibt, solange das Gleichgewicht hält.

„Ich wirke, was gewogen ist. Ich heile, was nicht verderbt. Ich erinnere, was nicht vergessen darf. Ich diene – und stelle keine Fragen, deren Antwort das Gleichgewicht zerbräche.“

Denn manchmal ist das Licht so still, dass nur die hören, die schon lange gewartet haben.
Und wenn der Orden spricht, dann nicht, um zu warnen – sondern weil die Zeit gekommen ist.