👁️ Die Grenzwacht
„Wachsam. Vergessen. Unverzichtbar.“
Wenn in den prunkvollen Hallen der Kaiserstadt von Helden, Heeren und Hoffnung gesprochen wird, fällt ihr Name selten. Und doch sind sie es, die an den zermürbten Grenzen der Zivilisation stehen – mit kaltem Blick, müden Knochen und gezückter Klinge. Die Grenzwacht ist das Schild, das zwischen den Herzlanden Terraniens und den düsteren Auswüchsen der Düstermarschen gespannt wurde. Kein Ruhm erwartet sie dort. Nur Pflicht.
Die Düstermarschen, wie man das finstere Grenzland im Westen nennt, erstrecken sich als ein endlos scheinendes Labyrinth aus dichten, unkartographierten Wäldern, fauligen Sümpfen und nebelverhangenen Lichtungen. Träge Nebel schleichen zwischen verfallenen Ruinen, deren Ursprung niemand mehr kennt. Wie weit sich dieses Land wirklich erstreckt oder was in seinem Herzen ruht, ist bis heute ungeklärt. Die Grenzwacht unterhält daher waghalsige Expeditionen ins Unbekannte – mit dem Ziel, das Fremde zu kartieren, zu verstehen oder zumindest rechtzeitig zu erkennen, wenn sich etwas dort regt, das sich nicht regen sollte.
Gegründet aus der bitteren Lehre der Plagezeit, wurde die Grenzwacht ins Leben gerufen, um ein wachsames Auge auf jene dunklen Lande zu werfen, aus denen das Unheil einst über die Welt hereinbrach. Ihre Aufgabe ist kein Krieg – sie soll verhindern, dass es wieder zu einem kommt. Sie beobachten, melden, stören – und wenn es sein muss, kämpfen und sterben. Denn niemand sonst darf je wieder unvorbereitet sein, sollte das Grauen zurückkehren.
🌫️ Aufgaben, Ruf & Ambivalenz
Die Grenzwacht agiert am Rande der Welt – und der Wahrnehmung. Ihre Aufgabe ist nicht nur der Schutz vor äußeren Bedrohungen, sondern auch das frühe Erkennen und Melden des Unheimlichen, Unnatürlichen, Unbekannten.
Sie dokumentieren, kartieren, führen Grenzpatrouillen durch, zerstören infizierte Zonen, sichern Reliktstätten und bergen Spuren der Plage, wo andere nicht einmal hinschauen würden.
Ihr Ruf im Reich ist zwiespältig: Man fürchtet ihre Geschichten, meidet ihre Lager, tuschelt über ihre Herkunft – doch man weiß auch, dass sie notwendig sind. Sie tragen Narben statt Orden, Misstrauen statt Ehre. Und manchmal auch dunkles Wissen, das besser nicht ausgesprochen wird.
Einige Adlige sehen sie als unsaubere Schattenkrieger, als Entwurzelte, die zu viel sehen und zu wenig gehorchen. Andere Provinzen hingegen schicken gezielt Gescheiterte, Gezeichnete oder Hoffnungsträger zur Wacht – in der Hoffnung, dass dort aus Elend Bedeutung wird.
Denn eines ist sicher: Wer der Wacht dient, bleibt nicht, wer er war.
🪓 Struktur, Schwur & Führung
Die Grenzwacht kennt keine Paradeformationen, kein glanzvolles Banner, keine Trommeln. Ihre Stärke liegt im Ertragen, Erkennen, Entscheiden – dort, wo kein Befehl mehr hilft. Ihr hoher Autonomiegrad ist aus der Not geboren: In einer Region, in der keine Befehle mehr ankommen, braucht es Entscheidungskraft vor Ort. Formal dem Kaiser unterstellt, agiert sie de facto eigenständig.
Angeführt wird sie vom uralten Hobgoblin Rukkhan, genannt „der alte Graue“ – ein wettergegerbter Überlebender der Plage, einst einfacher Soldat, heute Legende.
Kein Orden ziert seine Brust, kein Titel schmückt seinen Namen – doch innerhalb der Wacht genügt ein Blick, um klarzustellen, wer das Sagen hat.
Ein pragmatisches Rangsystem unterteilt die Wacht in:
- Schattenwölfe (Pfadfinder, Kundschafter, Einzelagenten)
- Grenzbleiber (Wachtrupps, Sicherungseinheiten)
- Schwurbinder (Veteranen & Ausbilder)
- Nebelhauptleute (Regionale Einsatzleitung)
- Stimmen des Grauen (Rukkhans engste Kommandoführer)
Jede neue Wache legt bei Eintritt einen Schwur ab:
„Ich wache dort, wo keiner wacht. Ich kämpfe, wo keiner kämpft. Ich falle, damit andere stehen.“
🕯️ Was im Nebel lebt
Die Grenzwacht ist keine Frontlinie – sie ist der Schleier davor.
Wo andere Mauern errichten, geht sie hinaus. Wo andere beten, dokumentiert sie.
Sie trägt keine Hoffnung – aber sie bewahrt die Möglichkeit, dass andere hoffen dürfen.
Sie ist die Erinnerung an das, was war. Die Mahnung an das, was sein kann. Und das Flüstern am Rand dessen, was noch nicht geschehen ist – aber geschehen könnte.
Denn solange irgendwo ein Schrei aus dem Nebel hallt, bleibt die Grenzwacht an ihrem Posten.
Vergessen von vielen. Gebraucht von allen.